Interdisziplinäre Summer School in Brig (CH) vom 1.-3. Oktober 2008 Martin Huber, Ingrid Josephs, Nicolas Pethes, Stefan Stürmer
Konflikt, Schuld und Versöhnung sind elementare menschliche Erfahrungen. Konstruktionen von Feindbildern, Forderungen nach Gerechtigkeit, Zuschreibungen von Schuld, Rituale der Entschuldigung und der Vergebung prägen Interaktionen zwischen Individuen ebenso wie Prozesse innerhalb und zwischen Gruppen. Sozial geteilte Deutungen und Interpretationen von Konflikten, deren Ursachen und Lösungen, sind ein Kernbestandteil des politischen Diskurses und der historischen, literarischen und kulturellen Überlieferung. Insbesondere die Dimen-sion historischer Schuld – in Deutschland mit Blick auf den Holocaust oder das Verhältnis zu Polen – sowie die Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit von Spannungsverhältnissen zwischen Konfliktparteien zeigen, dass sich Konflikte nur selten auf rein juristischem Wege oder durch materiellen Interessenausgleich auflösen lassen. Häu-fig erfordert die nachhaltige Beilegung von Konflikten zusätzliche soziale, kulturelle und humanwissenschaftliche Kenntnisse und Kompetenzen bzw. entsprechende Maßnahmen. Die Briger Summer School bringt Psychologen und Literaturwissenschaftler zusammen, um die psychologischen Dynamiken von Konflikten einerseits, ihre er-zählerische Konstruktion und Bewältigung andererseits, zu beleuchten und zu diskutieren. Ein Hauptziel der Veranstaltung besteht darin, die Komplexität, Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit von ‚Versöhnung’ als normativem Modell herauszuarbeiten und seine psychologischen, sozialen, politischen und ästhetischen Implika-tionen kritisch zu reflektieren. Durch die Veranstaltung lernen Studierende das interdisziplinäre Zusammenspiel sozialwissenschaftlich-empirisch und kulturhistorisch-hermeneutisch orientierter Herangehensweisen und Metho-den bei der Bearbeitung fachübergreifender humanwissenschaftlichen Fragestellung kennen. Aktuelle Anwen-dungsbezüge der Analysen werden anhand konkreter Beispiele aufgezeigt. Die Summer School des Forum Humanwissenschaften 2008 in Brig setzt sich aus folgenden Vorlesungen und Seminarveranstaltungen der beteiligten Wissenschaftler zusammen:
Prof. Dr. Martin Huber Vorlesung: Schuld und Sühne. Literarische Modelle der Konfliktbewältigung. Seminar 1: Versöhnung bei Schiller und Kleist Seminar 2: Konflikt als poetologisches Konzept der literarischen Moderne (Kafka)
Prof. Dr. Ingrid Josephs Vorlesung 1: Moralentwicklung I: Jean Piaget und Lawrence Kohlberg Vorlesung 2: Moralentwicklung II: Wissen – Handeln – Fühlen Seminar: Moralentwicklung im Kulturvergleich
Prof. Dr. Nicolas Pethes Vorlesung: Vergangenheit als Erzählung. Zu den Aporien historischer Gerechtigkeit Seminar 1: Schlußstrich oder offene Wunde? Materialien zur Walser-Bubis-Debatte 2003 Seminar 2: Deutsche als Opfer? Günter Grass’ Novelle Im Krebsgang
Prof. Dr. Stefan Stürmer Vorlesung 1: „Wir!“ vs. „Die!“: Die soziale Konstruktion kollektiver Identitäten und Feindbilder Vorlesung 2: Macht und Versöhnung: Opfer und Täterperspektiven Seminar: Forschung und Praxis: Sozialpsychologische Interventionen im Kontext des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern
Vorlesung und Seminar umfassen jeweils 90 Minuten. Die aktive Teilnahme an den Veranstaltungen der Summer School berechtigt zum Erwerb von Leistungsnachweisen im Magisterstudiengang (HF Literaturwissenschaft und/oder Soziale Verhaltenswissenschaft, NF Psychologie), im Master „Formierung der europäischen Moderne“ sowie im B.A. „Kulturwissenschaften“. Innerhalb des B.A. „Bildungswissenschaft“ wird die Summer School als Präsenzveranstaltung für Modul 1D oder 2C angerechnet.
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