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Gmeiwärch 
„Gmeiwärch" - eine alte Tradition

Die Verantwortlichen des Alpenstadtjahres möchten eine alte Tradition im Berggebiet und insbesondere im Kanton Wallis mit neuen Inhalten füllen: Ueber Jahrhunderte war das „Gmeiwärch", d.h. das gemeinsame Arbeiten eine Notwendigkeit im landwirtschaftlich geprägten Leben. Eine Leistung, für die dem Einzelnen die Mittel, die Fähigkeiten oder die Kraft fehlten, wurde von allen erbracht.
Gemeinsam legte man beispielsweise die verwegenen Wässerwasserleitungen an („Suonen"), um Bergbäche zu fassen, deren Wasser über ein ausgeklügeltes Verteilsystem zu leiten und so die Wiesen und Felder zu wässern, damit diese dem trockenen Klima trotzen konnten. Die am Wasser Berechtigten organisierten sich meistens in „Geteilschaften", deren Verantwortlichen bis heute dafür besorgt sind, dass das kostbare Nass regelmässig und in genügender Menge fliesst. Der Einzelne profitierte davon, dass er zu genau festgelegten Zeiten seine Güter bewässern konnte. Allein hätte er dies nicht geschafft.  Dafür musste er aber im „Gmeiwärch" am Bau und am aufwändigen Unterhalt der Suonen Hand anlegen. Weil es allenthalben sowohl den Gemeinden als auch den Bürgern an Geld für Investitionen fehlte, war dieses System für alle Beteiligten ausserordentlich effizient: Der Einzelne profitierte - ohne den geringsten Verwaltungsaufwand - von der Gemeinschaft und die Gemeinschaft wiederum von der Arbeitsleistung des Einzelnen.
Nebst Wässerwasserleitungen gibt es andere Einrichtungen, für die gemeinsam Hand angelegt wurde, sei es für das Erstellen und Ausbessern von Wegen, für den Bau von Gemeinschaftsstallungen, für die gemeinsame Viehsömmerung usw.

Ein Grundgedanke von höchster Aktualität

Der Grundgedanke des „Gmeiwärchs" ist von höchster Aktualität: In unserer Gesellschaft nehmen Individualismus, Einsamkeit und soziale Verhaltensstörungen immer mehr zu. Das Kollektiv wird oftmals nur noch im Mannschaftssport wahrgenommen! Man bestaunt das „Gmeiwäch" eines Alinghi-Teams, trifft sich aber kaum mehr unter Nachbarn, um einen defekten Zaun selber in Stand zu stellen.

Brig-Glis Alpenstadt 2008 möchte nicht das Rad der Geschichte zurückdrehen: Für das „Gmeiwärch" vergangener Generationen besteht keine wirtschaftliche Notwendigkeit mehr und der gemeinsame Zaun kann vermutlich besser von einem dafür beauftragten Fachmann repariert werden.

Das Gefühl, miteinander und füreinander da zu sein, und die enorme volkswirtschaftliche Leistung von Freiwilligen in allen Bereichen des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens verdienen es aber, in neuer Form den alten Gedanken wieder aufleben zu lassen.

Der gemeinsame Weg ist das Ziel

Heute steht nicht mehr die Leistung im Vordergrund; der gemeinsame Weg an sich ist das Ziel der Bemühungen, damit Freiwilligkeit, soziale Vernetzung über Generationen und die Freude am gemeinschaftlichen Werken gefördert werden. Brig-Glis Alpenstadt 2008 hat deshalb Studierende an der Tourismus Fachhochschule beauftragt, in diesem Sinne Konzepte zu erarbeiten. Nicht zuletzt ging es auch darum, Jugendliche mit der Idee zu konfrontieren und deren Vorstellungen über ein „neues Gmeiwärch" in Erfahrung zu bringen.

Inzwischen wurde eine Projektgruppe gebildet, welche folgende Themen weiterbearbeitet und nach Möglichkeiten in der ganzen Region umsetzt:
Verschiedene Ideen stehen zur Umsetzung an

Soziales

·        Spitex-Tag 2008
·        „Ersatz-Grossmütter"
·        Präventionsprogramm „Supra F"
·        Senioren im Klassenzimmer
·        Tagung Übergänge
·        Weiterbildung - Theater zum Thema 
         „Gewalt im Alter" /Häusliche Gewalt
·        Angebote auf Tastenklick

Migration

·        Fotoausstellung zum Thema Migration
·        Jugendliche coachen Ältere
·        University Center Cäsar Ritz - ICHA

Sport-„Fun"

·        Alpenstadt malt
·        Brig-Glis-Naters bewegt,
         bewegt Brig-Glis-Naters

Gmeiwärch früher-Walser-Kultur

·        Virtuelles Walser Museum
·        Kompetenzzentrum Migration
·        Mit Wässerbeil und Wässerplatte
·        700 Jahre Simplondorf
·        Fotoausstellung Simplon
·        Gestalten von vier Kreiseln mit den
         Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer

Es ist denkbar, dass im Rahmen der Ueberprüfung und Vertiefung weitere Projekte hinzukommen.

Erwarteter Nutzen

Das „Gmeiwärch" soll sich wie ein roter Faden durch das Alpenstadtjahr hindurch ziehen und für die Probleme der Gemeinschaft als Gegengewicht zur „Kultur des Individualismus" sensibilisieren. Es ist vorgesehen, vor allem Jugendliche anzusprechen, aber auch die ältere Generation, damit sie sich sinnstiftend in die Gemeinschaft einbringen kann.
Es gilt, Berührungsängste für ein Engagement in der Gemeinschaft zu überwinden und den Nutzen gemeinschaftlicher Aktivitäten zu erkennen. Gewissermassen sollte das „neue Gmeiwärch" zu mehr „Gemeinsinn" führen.


Folgende Organisationen werden einbezogen:

·        Schulen
·        Service Clubs
·        Benevol Oberwallis
·        Frauenbund Oberwallis
·        Pro Senectute
·        Gesundheitsregion
·        Schule für Sozialarbeit


Organisation

Projektleitung: Ida Häfliger

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